2018-03-09

Debatte um den Feiertag: LKA nimmt Stellung

Die Debatte um die Einführung eines neuen Feiertages in Niedersachsen beschäftigt auch den Landeskatholikenausschuss.
In einem Brief an die Landtagsabgeordneten macht sich der LKA für den Buß- und Bettag stark. Nachfolgend finden Sie den Brief im Wortlaut:

"An die Abgeordneten des Niedersächsischen Landtages
Sehr geehrte Damen und Herren,
derzeit ist der Diskussionsprozess um die Einführung eines neuen Feiertages in Niedersachsen in vollem Gange. Kontrovers wird von einer großen Anzahl gesellschaftlicher Gruppen diskutiert, welcher Gedenktag es sein soll. Die mediale Auseinandersetzung zeigt, wie wichtig eine vertiefte Betrachtung dieses Themas im Parlament ist.
Als Abgeordneten obliegt es Ihnen, eine Entscheidung zu treffen, die eint und nicht entzweit. Derzeit richtet sich die Diskussion auf den Reformationstag.
Am 6. März 2018 hat die Landesregierung einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorgelegt. Für die Katholiken ist der Reformationstag allerdings kein ein-faches Datum, da es an die Spaltung der Christenheit erinnert. Und für die Juden wiegt der Antisemitismus Martin Luthers schwer.
Als im vergangenen Jahr dennoch gemeinsam anlässlich des 500. Jahrestages der Reformation gedacht wurde, so geschah dies nicht zufällig als Buß- und Versöhnungsgottesdienst in der Hildesheimer Michaeliskirche. Versöhnung, Umkehr und Gebet sind Elemente, die alle Religionen einen.

Deshalb möchten wir als Landeskatholikenausschuss Niedersachsen vorschlagen, den Buß- und Bettag als neuen Feiertag in Niedersachsen einzuführen. Dieser Feiertag ist von der Landesregierung u. E. nicht ausreichend auf seine Eignung geprüft worden.
Dabei ist der Buß- und Bettag eine wirkliche, einende Alternative.
Er greift die evangelisch geprägte Tradition des Nordens auf – er ist schließlich ein originär evangelischer Feiertag – und bezieht sich dennoch auf den Grundzug jeglicher Spiritualität: Auf die Zwiesprache mit dem Göttlichen und das Hinterfragen des eigenen Handelns in der Welt.
Weiterhin könnte er dem Versöhnungsprozess, der mit dem gemeinsamen Wort der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland „Erinnerung heilen – Jesus Christus bezeugen“ eingeleitet wurde, einen zusätzlichen ökumenischen und interreligiösen Impuls geben.

So kann der Buß- und Bettag zu einem Feiertag werden, an dem der „Brückenschlag der Religionen“ gelingt – ein Tag, an dem sich alle christlichen Konfessionen, Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften beteiligen können. Der gesellschaftliche Zusammenhalt ist ein zentrales politisches Anliegen. Gemeinsame Feiern sind ein Weg, ihn zu stärken. Dafür aber muss ein Feiertag inhaltlich mit Leben gefüllt sein.
Er darf nicht nur den Interessen einer einzelnen Gruppe dienen, sondern muss gesamtgesellschaftlich getragen werden. Der Buß- und Bettag könnte dieser Tag sein – wenn Sie als Abgeordnete des Niedersächsischen Landtages ihn auf eine breite parlamentarische Mehrheit stellen.

Erlauben Sie uns, abschließend an einen Beschluss des Landtages aus dem Jahr 1994 zu erinnern – dem Jahr, als der Buß- und Bettag als gesetzlicher Feiertag in Niedersachsen zur Finanzierung der Pflegeversicherung abgeschafft wurde. Der Landtag hat in einer Entschließung (Drucksache 13/582) erklärt, die Streichung des Buß- und Bettages als Feiertag rückgängig zu machen, sobald eine andere Finanzierung der Pflegeversicherung gelingt. Wenn nun ein neuer Feiertag eingeführt wird, wäre auch aus diesem Grund der Buß- und Bettag die naheliegende Wahl – verbunden mit seiner besonderen Bedeutung.

Mit freundlichen Grüßen,
Claus-Dieter Paschek
Vorsitzender des Landeskatholikenausschusses